Dabei werden Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung entwickelt und Best Practices zur Tourismuspolitik ausgetauscht.
Tourismus als globaler Entwicklungsmotor
Tourismus ist in vielen Ländern der Welt ein wichtiger Motor gesellschaftlicher Entwicklungen, wirtschaftlich, sozial und ökologisch. Nachhaltig gestalteter Tourismus kann nicht nur Einkommen und Beschäftigung, sondern auch Klima- und Umweltschutz sowie Standards bei der Einhaltung von Menschenrechten in den Zielgebieten fördern.
Nach Angaben der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen UN Tourism hat sich der Tourismussektor zu einem der wichtigsten Akteure im internationalen Handel entwickelt, welcher Millionen Arbeitsplätze auf der ganzen Welt sichert. In vielen Zielmärkten, auch in Entwicklungs- und Schwellenländern, leistet der Tourismus einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlstand. Auch die Beschäftigungsrate von Frauen ist nach Aussage der UN Tourism im Vergleich zu anderen Sektoren hoch; über 50 Prozent der Beschäftigten im Tourismusbereich sind Frauen.
Der Sektor hat damit großen Einfluss auf die sozioökonomische Entwicklung in den Zielmärkten weltweit und kann im besten Falle einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit, fairen Arbeitsbedingungen und Achtung von Menschenrechten leisten.
Die Tourismuspolitik der Europäischen Union
Tourismus ist ein subsidiärer Bereich: Die Entwicklung und Gestaltung des Tourismus ist Sache der EU-Mitgliedstaaten (EU-MS) beziehungsweise Regionen, in Deutschland nach der durch das Grundgesetz vorgegebenen Aufgabenteilung der Länder. Artikel 195 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union von 2009 (AEUV) berechtigt die Europäische Union (EU), die Tourismuspolitik der EU-MS zu unterstützen und zu beraten. Darüber hinaus schreibt Artikel 6 AEUV der EU im Tourismus auch eine koordinierende Rolle zu. In diesem Sektor besitzt die EU allerdings keine gestaltende Kompetenz.
Im "Beratenden Ausschuss für Tourismus" tauschen sich die EU-MS auf Arbeitsebene mehrmals im Jahr zu aktuellen Themen und Entwicklungen mit der Europäischen Kommission (KOM) aus. Das schafft unter anderem auch Transparenz bei Rechtsetzungsvorhaben in anderen Politikbereichen, die sich auf den Tourismus beziehungsweise die Tourismuswirtschaft auswirken, zum Beispiel Verbraucher- und Sicherheitspolitik. Die KOM beruft die Sitzungen nach Bedarf ein.
Unter dem Dach des Wettbewerbsfähigkeitsrates kann die jeweilige EU-Ratspräsidentschaft nach Bedarf und eigenem Ermessen zu Sitzungen der nicht ständigen Ratsarbeitsgruppe Tourismus einladen. Erforderlich ist dies für die Einberufung informeller Konferenzen der Tourismusministerinnen und Minister, die Verabschiedung von Ratsschlussfolgerungen oder für die im Sektor Tourismus sehr seltenen Verhandlungen zu Rechtsetzungsvorhaben wie die Verordnung zur Kurzzeitvermietung.
Im Dezember 2024 wurde mit Apostolos Tzitzikostas erstmals ein EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus berufen. Die EU-KOM arbeitet aktuell an einer Strategie für nachhaltigen Tourismus, die bis Ende 2026 veröffentlicht werden soll.
OECD: Internationaler Austausch
Das Bundeswirtschaftsministerium vertritt Deutschland im Tourismusausschuss der OECD. Hier werden Informationen und Positionen zu aktuellen Tourismusfragen sowie Best-Practice-Beispiele der Tourismuspolitik der OECD-Mitgliedstaaten ausgetauscht. Alle tourismusrelevanten Themen und Untersuchungen anderer Bereiche der OECD werden dabei in die Diskussion einbezogen, so zum Beispiel Klimawandel, Green Growth, Nachhaltigkeit, Kunst und Kultur, Liberalisierung, Digitalisierung/Sharing Economy, Sicherheit im Reiseverkehr und Infrastruktur. Davon profitiert auch die Tourismuspolitik der Bundesregierung.
Die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen
Die Welttourismusorganisation UN Tourism ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Ihre Aufgabe ist die „Förderung und Entwicklung des Tourismus als Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung, zu internationalem Verständnis, Frieden, Wohlstand und Respekt für Freiheit und Menschenrechte für alle ohne Unterschiede nach Rasse, Geschlecht, Sprachen und Religion.“ Die UN Tourism unterstützt dabei im Besonderen die Interessen der Entwicklungsländer an einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung des Tourismus. Das Bundeswirtschaftsministerium vertritt Deutschland in der Organisation. Mehr erfahren über die Welttourismusorganisation.
G20: Treffen der Tourismusministerinnen und -minister
Im Jahr 2009 war die „T20-Initiative“ von verschiedenen zur UN Tourism gehörenden G20-Staaten ins Leben gerufen und zunächst außerhalb der förmlichen G20-Agenda organisiert worden. 2019 fand das Treffen der Tourismusministerinnen und -minister in Japan zum ersten Mal im Rahmen des offiziellen G20-Formats statt. Die Durchführung erfolgt in Kooperation mit der UN Tourism, der OECD und/oder des Weltverbands der Tourismuswirtschaft WTTC. Unter der saudi-arabischen G20-Präsidentschaft 2020 wurde zur Vorbereitung der Tourismusministertreffen eine ständige Arbeitsgruppe (Tourism Working Group) ins Leben gerufen.
Ziel des G20-Formats ist es, das Potenzial des Tourismus für die wirtschaftliche Entwicklung in den G20-Staaten durch Austausch von Best Practices und fundierte Handlungsempfehlungen zu stärken und sich für eine tourismusfreundliche Wirtschaftspolitik einzusetzen. Im Fokus der G20-Tourismusministerinnen und -minister steht dabei auch die Frage, wie eine nachhaltige Transformation des Tourismussektors global gelingen kann. Unter Italienischer Präsidentschaft fand 2024 erstmals auch ein Treffen der G7-Tourismusministerinnen und -minister statt.