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Wer im Glashaus sitzt, der ist manchmal zu Besuch in einem blumigen Berliner Start-up. Lernen Sie Franziska von Hardenberg kennen und finden Sie heraus, dass man nicht nur Tageszeitungen und Zeitschriften abonnieren kann und warum es manchmal ganz gut ist, keinen Sportwagen haben zu wollen.
Franziska von Hardenberg kann sich ein Leben ohne Blumen nicht vorstellen. Und das sieht der Besucher in ihrem Start-up Bloomy Days schon bei Betreten des Lofts in Berlin Mitte. In allen Farben leuchtet im Empfangsbereich eine Wand aus Blüten, ein betörender Duft verwandelt den grauen Berliner Oktober in einen herrlichen Frühlingstag. „Ich hatte an meinem letzten Arbeitsplatz immer Blumen auf dem Schreibtisch stehen, die habe ich mir regelmäßig bei einem kleinen Blumenladen an der Ecke gekauft. Dann zog meine Firma um, am neuen Ort gab es keinen Blumenladen mehr – so kam mir meine Geschäftsidee“, erklärt Hausherrin von Hardenberg.
Erst auf den zweiten Blick sieht der Gast, dass er sich im Großraumbüro eines jungen innovativen Unternehmens befindet – junge Menschen sitzen an Computern, hier und da Telefongespräche, ein Team zieht sich in den großen Konferenzraum zurück – dem Unternehmensambiente entsprechend handelt es sich hierbei um ein Gartenhaus in der Ecke des Büros.
Mit Bloomy Days hat Franziska von Hardenberg den Handel mit Schnittblumen revolutioniert. Sie erläutert uns ihr Geschäftsmodell im kleinen Besprechungsraum, einem Gewächshäuschen in der Mitte des Raumes: „Wir sind die ersten, die ein Abonnementssystem für Schnittblumen auf den Markt gebracht haben. Unsere Kunden bekommen regelmäßig frische saisonale Blumenbuketts geliefert, den Turnus können sie selbst bestimmen.“ So sehr Franziska von Hardenberg Blumen in all ihrer Schönheit und Vielfalt liebt, so sehr ist sie auch Unternehmerin: Sie berichtet mit leuchtenden Augen über Einkauf und Supply Chain, erklärt, warum sie anders als andere Blumenhändler kein Kühlhaus braucht und wie sie neben dem „klassischen“ B2C Geschäft das Geschäft mit Geschäftskunden zu einem wichtigen Umsatzträger von Bloomy Days aufgebaut hat.
Schnell merkt der Gast: Diese Frau brennt für ihre Geschäftsidee, ihr Unternehmen. Und in der Tat sieht sich Franziska von Hardenberg als geborene Unternehmensgründerin: „Schon als Kind war mir klar, dass ich einmal eine eigene Firma haben würde.“Ihre Begeisterung wirkte bei der Gründung von Bloomy Days im Jahr 2012 ansteckend. „Von den Banken bekam ich auf der Suche nach Startkapital durchweg Absagen. Also habe ich mich für Crowdfunding entschieden und mit einem Video im Netz um Beteiligungen geworben.“ Der Erfolg gibt ihr Recht: Franziska von Hardenberg war so überzeugend, dass sie die angestrebten 100.000 Euro binnen 93 Minuten zusammen hatte.
Ob jeder zum Unternehmensgründer tauge? Sie zögert kurz, dann die Antwort: „Interessante Frage, das habe ich mich auch schon manchmal gefragt. Ich denke, da gibt es drei etwa gleich große Gruppen. Ein Drittel ist zum Gründen geboren, da steckt irgendetwas in den Menschen drin, ein weiteres Drittel kann es lernen und mit harter Arbeit und Fleiß Erfolg haben. Das dritte Drittel sollte es lieber lassen.“ Ein bis zwei Drittel potenzielle Gründer – dann müsste Deutschland doch ein Gründerwunderland sein. „Das ist leider nicht so. Meine Generation hat selten Unternehmertum in der Familie, in der Gesellschaft positiv vorgelebt bekommen. Es steckt in viel zu wenigen Köpfen der Gedanke, ein Unternehmen zu gründen. Dabei brauchen wir ein umfassendes und vielfältiges Unternehmertum, um unseren traditionellen Innovationsvorsprung auch in Zukunft zu halten.“
Hierzu will Franziska von Hardenberg ihren Beitrag leisten. Unter anderem engagiert sie sich als Vorbild-Unternehmerin in der Initiative FRAUEN unternehmen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Auf die Frage, ob Frauen anders gründen als Männer, antwortet sie zurückhaltend: „Es ist nur eine These, doch ich habe den Eindruck, dass von Frauen gegründete Unternehmen im Durchschnitt erfolgreicher sind – man hört von weniger Pleiten und Insolvenzen und mehr Erfolgsgeschichten. Viele Männer wollen mit dreißig den Porsche vor der Tür haben und gehen dafür höhere Risiken ein. Noch sind unter den Gründern hierzulande wenige Frauen. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“