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Der digitale Wandel bringt eine Vielfalt an neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen. Das bereichert den Wettbewerb, stellt aber auch geltende Marktmechanismen auf den Kopf.
Eine neue Brille? Nur ein paar Mausklicks entfernt: Online-Optiker bieten mit virtuellen Bildschirmspiegeln und einer Probeauswahl per Post einen ähnlichen Rundum-Service wie Fachgeschäfte an. Vergleichsportale filtern die größte Modellvielfalt, die günstigsten Konditionen, die schnellsten Lieferzeiten und die unterschiedlichen Bewertungen heraus. Vorteil für den Verbraucher: Er wählt unter einer Vielzahl von Angeboten das für ihn am besten passende aus – das funktioniert für eine neue Brille ebenso wie für Versicherungen, Urlaubsreisen, Handwerkerleistungen und unzählige weitere Produkte und Dienste.
Keine Frage: Die Digitalisierung hat weltweit einen enormen Effekt auf den Wettbewerb – und das ist gut für die Verbraucher. So steht ihnen eine nahezu unbegrenzte Auswahl an Produkten und Dienstleistungen aus aller Welt – individualisiert und preisgünstig – zur Verfügung. Schließlich ermöglicht die Digitalisierung innovative Technologien, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Über das Internet können junge Start-ups und etablierte Unternehmen ganz neue Märkte erschließen, national und international – ohne dass eine physische Präsenz vor Ort notwendig ist. Das wiederum wirkt sich positiv auf Produktivität, Effizienz und wirtschaftlichen Erfolg aus.
SMS und Messenger-Dienste – noch kein Level Playing Field
Immer mehr Menschen nutzen Messaging-Apps statt Kurzmitteilungen für ihre Kommunikation: Fast 700 Millionen Mitteilungen pro Tag werden in Deutschland über WhatsApp versendet, während 2015 täglich nur noch ca. 40 Millionen SMS-Nachrichten versandt wurden. Das Problem: Marktführer WhatsApp will sich nach seinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich nicht an europäische Regeln halten. Wer also WhatsApp nutzt, akzeptiert mit den Nutzungsbedingungen, dass er in die Übertragung aller seiner Daten in die USA und die Unterwerfung unter kalifornisches Recht einwilligt. Die SMS-Anbieter – also die Telefongesellschaften – unterliegen dagegen dem jeweiligen nationalen Recht. Level Playing Field aber bedeutet, dass bei Kundenschutz, Datenschutz und Sicherheit die gleichen Regeln gelten, ob SMS oder Messenger-App.
Daten und Nutzer – die Menge macht’s
Gleichzeitig sind mit der Digitalisierung Angebote und Geschäftsmodelle entstanden, die einer ganz eigenen Marktlogik folgen. Plattformen sind Orte, wie es früher lokale Marktplätze in der Stadt waren. Auf diesen globalen Online-Marktplätzen treffen sich Menschen und Unternehmen aus der Nachbarschaft, aber auch vom anderen Ende der Welt und tauschen Waren, Dienstleistungen sowie Informationen aus. Jeder kann auf solchen Plattformen Dienstleistungen und Produkte kostengünstig und einfach weltweit anbieten und bestellen. Das ist die Basis für die Wirtschaft des Teilens, die sogenannte Sharing Economy, wie sie beispielweise Uber oder Airbnb betreiben. Aber auch soziale Netzwerke, Online-Händler und Suchmaschinen – wie Facebook, Amazon und Google – sind digitale Plattformen.
Im Prinzip gilt in der digitalen Plattformökonomie: Je größer solche Plattformen sind, über je mehr Informationen sie verfügen, desto attraktiver sind sie für Kunden und Anbieter. Sogenannte Netzwerk-Effekte spielen eine entscheidende Rolle: Das heißt, der Nutzen steigt mit jedem zusätzlichen Nutzer. Anders gesagt: So wie ein Telefon nur dann Sinn macht, wenn viele Menschen es benutzen und miteinander kommunizieren können, ist ein soziales Netzwerk umso interessanter, je mehr Menschen sich darüber verbinden. Die Folge: Größere Plattformen werden so nahezu automatisch größer. Das kann für den Nutzer Vorteile haben: je mehr seiner Kontakte den gleichen Instant-Messenger-Dienst nutzen, desto einfacher die Kommunikation. Andererseits führen solche Marktkonzentrationen aber auch dazu, dass Nutzer – sowohl Verbraucher als auch Unternehmen – in Abhängigkeit von den großen Playern geraten. Kleinere Konkurrenten der großen, marktbeherrschenden Plattformen bleiben meist klein oder verschwinden ganz – nach dem Prinzip: „The winner takes it all.“
Die Bundesregierung hat auf die neue Wettbewerbssituation der digitalen Märkte bereits reagiert und die Modernisierung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen auf den Weg gebracht: Die Novelle zielt auf einen stärkeren Schutz vor Missbrauch durch marktbeherrschende Unternehmen und eine effektive Fusionskontrolle ab.
Nationale Alleingänge reichen im Zeitalter der digitalen Plattformökonomie aber nicht aus. Unser Ziel ist es, dass sich die G20-Staaten auf global geltende Rahmenbedingungen einigen, die allen Unternehmen faire Chancen zur Marktteilnahme ermöglichen. Unternehmen brauchen ein Level Playing Field – also eine Art wirtschaftliches Spielfeld, auf dem für die Teilnehmer, ähnlich wie beim Sport, gleiche Regeln herrschen und so Fair Play möglich ist.
Andererseits würden wir durch zu kleinteilige Detailregulierungen Gefahr laufen, den rasanten technologischen Fortschritt abzubremsen. Entscheidend für die globale digitale Wirtschaft ist ein Rahmen, der Rechtssicherheit bietet und dennoch flexibel und innovationsfreundlich ist.
Alle Beiträge der Broschüre "Global. Innovativ. Fair."