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Ohne schnelles Internet kein digitaler Fortschritt. Deshalb wird in Deutschland mit Hochdruck am Breitbandausbau gearbeitet. Die Digitalisierung muss aber auch global gedacht und umgesetzt werden. Denn: Eine nicht leistungsfähige digitale Infrastruktur ist ein Hemmnis für Wachstum, Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe.
Videos streamen, Bankgeschäfte online erledigen, im weltweiten Netz shoppen – für viele Menschen, vor allem Stadtbewohner, ist das mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Wer jedoch in einer ländlichen Region eine TV-Sendung streamen oder eine Überweisung online beauftragen will, kann eine böse Überraschung erleben: Statt Tatort, Tagesschau oder Kontostand erscheint lediglich das Symbol für den Ladevorgang.
Digitale Holperpfade auf dem Land, Autobahnen in der Stadt
Was zu Hause ärgerlich ist, wird im wirtschaftlichen Bereich zum handfesten Wettbewerbsnachteil: Kleine und mittlere Unternehmen in ländlichen Gegenden werden vom Fortschritt abgehängt, wenn sie keinen Zugang zum schnellen Internet haben. Sie können z. B. keine Videokonferenzen mit Handelspartnern führen oder Daten aus der „Cloud“ aufrufen. Und der Download von größeren Datenpaketen dauert Stunden statt wenige Sekunden.
Viel besser sieht es in den Städten aus. Dort sind Geschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s längst kein Problem mehr. Die urbanen Datenautobahnen und die digitalen Holperpfade auf dem Land bringen es zusammen auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade einmal 13,7 Mbit/s – Platz 26 für Deutschland im internationalen Vergleich.
Der Nachholbedarf ist also groß – genauso wie das Förderpaket der Bundesregierung: Seit Ende 2015 stellt sie für den Breitbandausbau vier Milliarden Euro zur Verfügung. Ziel ist es, dass 2018 ganz Deutschland mit mindestens 50 Mbit/s im Internet surfen kann. Das könnte klappen: Mehr als 70 Prozent aller Haushalte haben bereits Zugang zu einem solchen Breitbandanschluss, an der Versorgung der restlichen knapp 30 Prozent wird mit Hochdruck gearbeitet.
Breitbandanschlüsse können aber nur ein Zwischenschritt sein. Schon heute ist klar, dass wir in naher Zukunft viel höhere Geschwindigkeiten benötigen, um alle neuen digitalen Serviceangebote nutzen zu können. Vor allem das sogenannte Internet der Dinge ist auf schnelle und vor allem absolut zuverlässige Netze angewiesen – erdgebunden und mobil.
Beispiel autonomes Fahren: Den Unfall hinter der nächsten Autobahnkurve können selbst die besten Sensoren und Kameras am eigenen Fahrzeug nicht vorhersehen. Wenn aber alle Autos über leistungsfähige Mobilnetze miteinander verbunden sind, können sie sich gegenseitig in Sekundenbruchteilen über den Unfall informieren und rechtzeitig abbremsen. Oder das Beispiel E-Health: Patienten können in Zukunft ihren Arzt per Video-Sprechstunde besuchen, wenn es etwa um Nachsorge oder Kontrolltermine geht. Das spart die Anreise und unnötige Wartezeiten. Schlaganfallpatienten im ländlichen Raum profitieren zudem von Fachärzten, die per Videokonferenz in die Notaufnahme des Krankenhauses zugeschaltet werden und den Arzt vor Ort unterstützen. So kann innerhalb von Minuten die bestmögliche Behandlung eingeleitet werden – wenn hochleistungsfähige Netze die problemlose Kommunikation sicherstellen.
Möglich werden diese und viele andere Anwendungen durch sogenannte Gigabitnetze mit Geschwindigkeiten ab 1.000 Mbit/s: im Boden durch Glasfaserleitungen, mobil durch den zukünftigen Standard 5G. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) setzt sich dafür ein, solche Gigabitnetze in Deutschland bis zum Jahr 2025 flächendeckend aufzubauen. Es reicht nicht, wenn die deutschen Netze gut sind – sie müssen Spitzenklasse sein. Nur so kann unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig bleiben. Und nur so können die Menschen von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren.
Wenn wir die Digitalisierung nur national angehen, denken wir zu klein. Nicht nur Privatpersonen sind oft mit Freunden auf der ganzen Welt vernetzt, auch immer mehr Unternehmen arbeiten auf internationaler Ebene zusammen. Damit die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft weltweit zu einem Erfolg wird, hat die deutsche G20-Präsidentschaft ein klares Ziel: Alle G20-Staaten sollen sich dazu verpflichten, bis 2025 weltweit alle Privathaushalte und Unternehmen mit schnellem Internet zu verbinden. Dafür sind weitere öffentliche und private Investitionen notwendig.
Zusammen mit den anderen G20-Staaten müssen wir also verhindern, dass eine lückenhafte Versorgung mit schnellen Netzen oder fehlender Zugang zum Internet zu einem Hemmnis für das weltweite Wirtschaftswachstum und die gesellschaftliche Teilhabe werden.
Neben schnellen Netzen ist für den Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur auch die globale Einführung des neuen Internetprotokolls IPv6 notwendig. Die Einführung von IPv6 wollen wir im Rahmen des G20-Digitalisierungsprozesses global vorantreiben.
Was ist eigentlich IPv6?
Damit im Internet der Dinge in den nächsten Jahren mehrere Milliarden Geräte, vom Kühlschrank über das Auto bis zum 3D-Drucker, miteinander kommunizieren können, sind neue Internetprotokolle nötig: die sogenannten IPv6-Protokolle. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Adressen, mit denen jedem Nutzer und jedem Gegenstand im Internet „digitale Post“ zugestellt werden kann. Mit IPv6 stehen auf jedem Quadratmillimeter der Erde rund 600 Billiarden IP-Adressen zur Verfügung.
Alle Beiträge der Broschüre "Global. Innovativ. Fair."